Der Trompeter des Jahres beim Augsburger Jazzsommer Am Mittwochabend: Das Tom Harrell Quintet

650 Gäste hat der Auftakt des Augsburger Jazzsommers am vergangenen Mittwoch in den Botanischen Garten gelockt – und das, obwohl das Wetter einen Umzug ins beim Publikum nicht so sehr geliebte Glashaus notwendig machte. „Wenn wir draußen hätten bleiben können“, meint Organisator Christian Stock, „dann hätten wir 900 gehabt.“ Auf dem Programm hatte ja auch nicht irgendwer gestanden, sondern mit John Scofield einer der unangefochtenen internationalen Stars an der Jazzgitarre, in Kritikeraugen einer der einflussreichsten Jazzgitarristen der Gegenwart. – Der im Augsburger Jazz-Garten auch nicht mit irgendeiner zusammengewürfelten Tournee-Band auftauchte, sondern mit den kongenialen Starts Mulgrew Miller am Flügel, Scott Colley am Schlagzeug und Bill Stewart an den Drums. Alle, die dabei waren, schwärmen von einem außerordentlichen Abend – wer etwas nachholen möchte, kann der Band noch im Juli nach Italien, Tschechien Spanien, Frankreich und in die Schweiz nachreisen – hier gibt’s die Tourdaten: www.johnscofield.com.

Auf diesem für Augsburg sensationellen Niveau kann es leider nicht weitergehen – Christian Stocks Jazzreihe ist finanziell nicht gerade üppig ausgestattet. Doch auch das Konzert des morgigen Abends (Mittwoch, 20. Juli, 20 Uhr im Rosenpavillon des Botanischen Gartens, bei schlechtem Wetter wiederum im Glashaus) könnte ein Ereignis werden: Nicht so überaus berühmt wie John Scofield, ist der 66jährige Tom Harrell trotzdem ebenfalls ein Star, gilt als einer der versiertesten Jazztrompeter der Welt. Der weiße Saxophonist hat eine Band mit vier schwarzen Musikern um sich geschart: Harrell kommt mit dem Tenorsaxophonisten Wayne Escoffery sowie mit Danny Grissett am Klavier, dem Bassisten Ugonna Okegwo und Johnathan Blake am Schlagzeug. Darf man auf Harrells Krankheit hinweisen? – Das Programmheft des Jazzsommers tut es, als soll auch hier nicht seine Besonderheit verschwiegen werden: Harroll leidet seit langer Zeit unter schizophrenen Schüben, wirkt auf der Bühne oft völlig leer und teilnahmslos, solange er nicht selbst spielt. Doch wenn er seine Trompete ansetzt geschieht etwas, was man symbolhaft geradezu als ein „Wunder der Musik“ beschreiben könnte: Tom Harrell lebt auf, lässt seine Krankheit und Zerbrechlichkeit hinter sich und „bläst sich frei“. Der Musiker wurde schon 1996 zum ersten Mal vom amerikanischen „Downbeat“-Magazin zum Jazztrompeter des Jahres gekürt – aktuell hat ihn die „Jazz Journalist Association“ für das Jahr 2011 zum „Trompeter of the Year“ nominiert. Ein bisschen reinhören in seinen Stil kann man auf seiner Homepage unter www.tomharrell.com.